„Frösche“ warten auf den Storch

Seit dem 9. April ragt auf dem Dach des Bauernhauses der Familien Moll beim Kreisel in Härkingen ein Riesenvogelnest in den Himmel. Es ist ein künstlich geschaffener Storchenhorst, der vom Natur- und Vogelschutzverein Härkingen (NVVH) in aufwändiger Arbeit angefertigt und von den Bedachungsspezialisten der Firma HOBAU montiert wurde.

Er besteht aus einer runden Plattform aus Holz und einem ringförmigen Aufbau aus geflochtenen Ästchen. Dieser Ring wurde mit Holzwolle und Schnitzel gefüllt und das neue Nest schliesslich mit weisser Farbe besprenkelt, um einen benutzten Eindruck auf die vorbeifliegenden Störche zu hinterlassen. Ein benutztes Nest zeigt einen guten, gemütlichen Ort an und so besteht die Möglichkeit, dass ein Storchenpaar sich niederlässt.

In den letzten Jahren wurden öfters Weissstörche auf dem Rückzug aus ihren Überwinterungsgebieten in Härkingen gesichtet. Ein Paar verweilte sogar über mehrere Tage auf dem Kirchturmdach, weshalb sich der NVVH nun deren Ansiedlung dank der künstlichen Nisthilfe erhofft. Die Chancen dazu sind allerdings eher klein, das muss auch Präsident Peter Jäggi eingestehen: „Weissstörche sind entgegen der romantischen Vorstellung nicht partnertreu, sondern nesttreu. Das bedeutet, dass ein Storch, der einmal gebrütet hat, immer wieder zu seinem Horst zurückkehrt.“ Das macht die Wiederansiedlung insofern schwierig, da nur einjährige Weissstörche nach einem neuen Brutplatz suchen. Und mit dem Horst allein ist es noch nicht gemacht, die Störche müssen auch innerhalb weniger Kilometer genügend Nahrung finden, damit sie ihren Nachwuchs ausreichend versorgen können. Um ein Storchenpaar in Härkingen brüten zu sehen, müssen also verschiedene Faktoren zusammenkommen – Glück gehört sicher auch dazu. Wenn man aber bedenkt, dass 1949 der Weisstorch in der ganzen Schweiz ausgestorben war, dann aber dank dem Wiederansiedlungsprojekt von Storchenvater Max Bloesch in Altreu in die Schweiz zurückkehrte, so ist ein wenig Optimismus durchaus angebracht. Und : Auf besagtem Dach gab es schon einmal einen Storchenhorst, welcher auch bewohnt war!

Heute leben wieder fast 400 Storchenpaare in der Schweiz, die letztes Jahr zusammen rund 650 Jungvögel grossgezogen haben. Im Kanton Solothurn beschränkt sich das Vorkommen auf vier Standorte in den westlicheren Teilen des Kantons in den Bezirken Lebern und Wasseramt. Dies will der Natur- und Vogelschutzverein Härkingen nun ändern.

Es wäre doch schön, wenn sich die Störche wieder bei den „Fröschen“, wie die Härkinger ja genannt werden, niederlassen würden!

Dieser Bericht ist auch in der Printausgabe vom OT erschienen und unter diesem Link kann man die Onlineausgabe einsehen.